Historie

Der Mensch im Mittelpunkt

Lange schlief Franz Kerstin, Sohn des Schmiedemeisters und Pferdearztes Friedrich Kerstin, der das gleichnamige Handelsgeschäft am 1. November 1848 gegründet hat, in einer Schublade der Ladentheke. Der Gründer war so klein und sparsam, dass er seine ungewöhnliche Schlafstätte erst zwei Jahre später nach seiner Heirat einem Lehrling überließ. Schon 1859, elf Jahre nach der Eröffnung des Fachgeschäfts am Vreithof, erwarb Franz Kerstin ein neues Geschäftshaus. Bis zu seiner Zerstörung im Jahr 1944 war dieses Geschäft in der Brüderstraße das Hauptgeschäft.

Im Jahr 1878 wurde das Unternehmen um einen besonderen Mitarbeiter vergrößert: Friedrich Kerstin, der das Händlertum in Brüssel und Unna erlernt hatte, trat in das väterliche Handelshaus ein. Er bereiste die Kunden wochenlang mit Pferd und Wagen im Industriegebiet Essen, vom Weserland bis Minden und in Norddeutschland bis Oldenburg und Emden. Als rühriger und ideenreicher Kaufmann förderte er seine Angestellten und Arbeiter.

Friedrich Kerstin verpflegt mit seiner Frau alle Mitarbeiter bei sich zu Hause

Alle rund 40 Mitarbeiter wohnten bei ihm und seiner Frau und wurden von ihnen verpflegt. Für seine Lehrlinge, die ganze fünf Jahre lernen mussten, gründete Friedrich Kerstin 1890 eine Privatfortbildungsschule. Am Ende des Jahrhunderts hatte das Großhandelshaus schon mehr als 50 Angestellte und wuchs immer weiter.

Kurz vor dem 1. Weltkrieg stand wiederum eine größere Veränderung an: Die beiden Söhne Ernst und Franz Kerstin übernahmen das Großhandelshaus. Sie machten sich nach dem Krieg sofort daran, das Unternehmen neu zu organisieren und zu modernisieren. Zwischen 1931 und 1937 bauten sie mehrere große Lagerhäuser im Zentrum von Soest mit Garagen und gliederten der Großhandelsabteilung sanitäre Installationsartikel an.

1938 starb viel zu früh Franz Kerstin. Doch das war nur der Anfang vom tragischen Ende dieses großartigen, engagierten und umsichtigen Unternehmertums der Familie Kerstin. Als der Krieg ausbrach, hatte das Großhandelshaus 125 Angestellte. Doch ihr künftiger Chef, Ernst Arno Kerstin, fiel 1942 in Russland und sein Vater Ernst Kerstin 1945 in Soest


Elly Kerstin und Ludwig Riemenschneider schaffen den Wiederaufbau

Sollte jetzt alles vorbei sein? Es schien fast so, denn ein Jahr vor Ende des Krieges waren durch Brand und Sprengbomben sämtliche Gebäude und Lager vollständig zerstört worden. Doch Elly Kerstin, die Witwe von Ernst, machte weiter – zusammen mit Ludwig Riemenschneider, der 1931 als erster Verkäufer im Großhandelshaus Kerstin begonnen hatte.

Nicht zuletzt dank der treuen und tatkräftigen Hilfe der Belegschaft wurde das Großhandelshaus in der Brüderstraße wiederaufgebaut und am 1. November 1948 neu eröffnet. 1950 wurde ein mächtiger Gebäudekomplex mit 25 Schaufenstern eingeweiht: das neue Einzelhandelsgeschäft in der Brüderstraße. Sechs Jahre später starb Elly Kerstin, die das das Unternehmen zusammen mit Ludwig Riemenschneider bis zu ihrem Tod geführt hatte.

1960 eröffnete Franz Kerstin ein weiteres Großhandelshaus an der Clevischen Straße. In den folgenden Jahren wuchs das Unternehmen immer weiter und hatte Mitte der 1970er Jahre bereits über 280 Angestellte. Der Großhandel verfügte 1976 schon über eine Verkaufs- und Lagerfläche von rund 27.500 qm.


Haupthaus in der Clevischen Straße wird für Privatkunden geöffnet

Aufgrund der großen Nachfrage öffnete das Unternehmen in dieser Zeit erneut seine Pforten für Privatkunden. In der Clevischen Straße, dem derzeitigen Haupthaus des Unternehmens, dürfen seit 1976 nicht nur Handwerker ihr Profiwerkzeug kaufen, sondern sich auch Privatkunden die neuesten Technologien und Innovationen in ihre eigenen vier Wände holen.

Als Ludwig Riemenschneider 1985 starb, übernahm der Geschäftsführer Karl Hans Ilaender, der seit 1972 Gesellschafter war, das Großhandelshaus Franz Kerstin. Unter seiner Führung wuchs das Unternehmen immer weiter, so dass die logistischen Möglichkeiten an der Clevischen Straße bald nicht mehr ausreichten und 1990 am Sälzerweg ein weiteres Großhandelshaus eröffnete.

Neue Niederlassung gewährleistet flächendeckende Betreuung der Kunden

Zwei Jahre später schloss das Unternehmen sein Fachgeschäft in der Brüderstraße, wo die Erfolgsgeschichte von Franz Kerstin einst ihren Anfang nahm. Dem Erfolg tat das keinen Abbruch – im Gegenteil. Das Unternehmen wuchs weiter und eröffnete 1993 eine Niederlassung in Lützen-Zorbau in Sachsen-Anhalt, um seiner großen Nachfrage im Osten von Deutschland gerecht zu werden und eine flächendeckende Betreuung der Kunden zu gewährleisten. Denn die Kunden, sowohl die Privat- als auch die Geschäftskunden, stehen beim Unternehmen Franz Kerstin stets im Mittelpunkt.  

Und so sind es auch die Menschen – wie Karl-Hans Ilaender, der 2012 starb, und sein Sohn Christoph Ilaender als Inhaber, Markus Böning, Duc-Hiep Nguyen, Norbert Hesselmann, Thorsten Arnhold, Gregor Junghölter sowie Thorsten Tschech in der Geschäftsleitung sowie die rund 250 Mitarbeiter in ganz Deutschland – die diesem renommierten Traditionsunternehmen seine wahre Größe geben.