Bemerkenswertes

„Ganz ohne Arbeit? Das kann ich mir nicht vorstellen.“

Mit 16 Jahren angefangen, mit 63 aufhören – fast 50 Jahre lang ist Elisabeth Kreis bereits bei Franz Kerstin tätig. „Genau gesagt sind es 49 Jahre und 3 Monate“, sagt die Soesterin mit einem Lächeln, während sie sich auf einen Hubwagen lehnt. In den vergangenen zehn Jahren hieß das: um 4 Uhr klingelt der Wecker, um 5.30 Uhr verlässt sie das Haus und fängt um 6.20 Uhr damit an, die Regale bei Franz Kerstin am Sälzerweg mit frischer Ware aufzufüllen, damit die Kommissioniererinnen und Kommissionierer aus dem Vollen schöpfen können.

Am Dienstag, 6. November, ist das allerdings vorbei. Dann endet das Arbeitsleben von Elisabeth Kreis bei Franz Kerstin. Der Wecker wird dann nicht um 4 Uhr klingeln. „Wach werde ich wohl trotzdem“, vermutet die 65-Jährige, „aber dann drehe ich mich einfach noch mal um.“

Angefangen hat Elisabeth Kreis bei Franz Kerstin am 1. August 1969, als das Unternehmen noch ein reines Einzelhandelsgeschäft an der Brüderstraße hatte. Nach der Ausbildung zur Verkäuferin arbeitete sie bis 1992 im Verkauf und lernte während dieser Zeit unter anderem Karl-Hans Ilaender kennen, der seinerzeit noch als Einkäufer für Haushaltswaren und Gartengeräte gearbeitet hat. „Der war ein 100-prozentiger Kumpel, mit dem man durch Dick und Dünn gehen konnte. Auch als dieser 1985 die Geschäftsführung von Ludwig Riemenschneider übernahm, war er nach wie vor für die Mitarbeiter da.“

Im April 1992 wechselte Elisabeth Kreis in den Telefonverkauf und gut sechs Jahre später ins Lager. Ab 1998 arbeitete sie dort als Kommissioniererin und zehn Jahre später war sie für das Auffüllen des Kleinteilelagers zuständig. „Die Arbeit als Verkäuferin und später im Lager hat mir am meisten Spaß gemacht“, sagt die 65-Jährige zurückblickend.

Dreimal in der Woche geht die aktive Soesterin ins Fitnessstudio, macht dort Gerätetraining und besucht Kurse. Aber das ist ihr nicht genug. „Ich denke, ich werde mir noch einen 450-Euro-Job suchen, denn mir ist es wichtig, eine Aufgabe zu haben. Ganz ohne Arbeit? Das kann ich mir nicht vorstellen.“