Bemerkenswertes

„Ich hatte viele schöne Jahre bei Franz Kerstin“

Nach über 38 Jahren bei Franz Kerstin hätte sich Walburga Vili ihren Ruhestand mehr als verdient. Zumal sie schon zuvor über zehn Jahre im Einzelhandel tätig war. Doch so ganz ohne Arbeit – das ist nichts für die 65-Jährige.

„Gar nicht mehr zu arbeiten, kann ich mir überhaupt nicht vorstellen“, sagt Walburga Vili mit einem Lachen, „denn ich hatte viele schöne Jahre bei Franz Kerstin.“ Daher bleibt die Expertin für Lampen und Leuchten dem Soester Traditionshaus in der Clevischen Straße noch weiterhin erhalten. „Allerdings nur noch auf 450-Euro-Basis, damit ich noch viel Zeit für andere Dinge habe.“

Welche das sein werden, steht noch nicht fest. „Ich möchte gerne etwas Ehrenamtliches machen“, verrät die langjährige Franz-Kerstin-Mitarbeiterin. „Etwas Konkretes geplant habe ich noch nicht, aber ich könnte mir vieles vorstellen wie beispielsweise mich um die Blumendekoration in der Kirche bei mir nebenan kümmern oder in einer Kindertagesstätte mitanzupacken.“

Denn Kinder liegen der Werlerin am Herzen. „Obwohl es schon viele Jahre her ist, erinnere ich mich immer noch an einen Jungen, der auf seinem Laufrad an unserem Schaufenster vorbeigefahren und schwer gestürzt ist. Er hat geweint und ich bin natürlich sofort raus und habe mich um ihn gekümmert, bis die Mutter dazugekommen und er mit einer Gehirnerschütterung ins Krankenhaus eingeliefert worden ist“, erzählt Walburg Vili. Als der Junge später aus dem Krankenhaus entlassen wurde, kam er mit seiner Mutter zu mir und brachte mir als Dankeschön eine riesige Schokolade. Ich habe dem Jungen im Gegenzug eine kleine Carrera-Bahn geschenkt.“

Angefangen hat Walburga Vili ihre Karriere bei Franz Kerstin am 1. Juni 1982. Seinerzeit musste sie zur Arbeit in die Fußgängerzone fahren, denn das Einzelhandelsfachgeschäft, in dem sie unter anderem hochwertiges Porzellan verkaufte, hatte seinen Sitz in der Brüderstraße.

Später zog sie mit dem Unternehmen an den jetzigen Standort. Mit dem Umzug wechselte auch das Sortiment, für das die 65-Jährige zuständig war. In der Clevischen Straße verkaufte sie weiße Ware wie Gefrierschränke, Kühlschränke, Waschmaschinen und Trockner und war Ansprechpartnerin für Leuchten und Lampen. „Beim Thema Beleuchtung hat sich in den vergangenen Jahrzehnten unglaublich viel getan. Mir war es immer wichtig, dass die Kunden die Leuchten eingeschaltet sehen. Da es am Anfang nur Brenner mit 300 Watt gab, hatten wir wegen der ganzen angeschalteten Leuchten in unserer Ausstellung teilweise 40 bis 45 Grad.“

Als später auf energiesparende LED-Technik umgestellt wurde, war das Beraten und Verkaufen wieder deutlich angenehmer. Und eine gute Beratung ist Walburga Vili schon immer wichtig. „Trotzdem sage ich den Kunden immer: Gehen Sie erst mal in Ruhe durch die Ausstellung, lassen Sie die Leuchten auf sich wirken und kommen sie dann zu mir.“ Und das machen die Kunden auch – nicht wenige von ihnen schon seit vielen Jahren.